Geschäftsmodell René Benko

Wie René Benko eine der führenden Immobilien­gesell­schaften in Zentraleuropa aufgebaut hat

Am 22. Dezember 2012 hat der 35-jährige Tiroler René Benko einen Mega-Coup gelandet. Mit seiner Immobiliengruppe Signa übernimmt der junge Immobilienmagnat in Deutschland nach monatelangen Verhandlungen um 1,1 Milliarden Euro 17 Kaufhäuser und eine Garage. Herzstück des Portfolios ist das Traditionshaus „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe).

Das 60.000 Quadratmeter große KaDeWe besuchen täglich bis zu 180.000 Kunden aus aller Welt. Damit ist es das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen und ist berühmt für seine Gourmetabteilung. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt.

Karriere und Geschäft

Den Grundstein seines Erfolgs hat René Benko mit 18 Jahren gelegt, als er einem Freund half, der in Tirol Dachböden ausbaute. Benko war vom Geschäft fasziniert, entschied sich für die Branche – und gegen die Matura. Seit 1999 hat Benko einen Immobilienkonzern geschaffen, der heute auf ein Portfolio von 5,5 Milliarden Euro verweisen kann.

Im Jahr 2000 traf er auf Karl Kovarik, den Erben des Stroh-Tankstellenimperiums. Mit Startkapital von Kovarik errichtet Benko in Österreich Ärzte-Zentren, in einer Zeit, als Gruppen-Praxen noch unüblich waren. Im günstigen Berlin sammelt die damals noch als Immofina tätige Gesellschaft rund 35 Zinshäuser ein.

Gleichzeitig startete der einstige Sportkletterer das, wofür er heute bekannt ist: Die Trophäenjagd. Die Trophäen nützte sein Düsseldorfer Fondshaus, um Immobilienpakete zu schnüren.

„Ich habe mir immer Topleute geholt, weil mir als junger Unternehmer die Berufserfahrung und die Netzwerke fehlten", sagt Benko. Im Beirat der Signa-Gruppe sitzen Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der frühere Porsche-Boss Wendelin Wiedeking, Casinos-Austria-Chef Karl Stoss und Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess.

Projekte

Für Benko ist der jetzige Deal der größte in der 13-jährigen Unternehmensgeschichte. Insgesamt hat Signa bereits 5,5 Milliarden Euro investiert. Zu den bekanntesten Projekten zählen das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck sowie in Wien in der Tuchlauben das „Goldene Quartier“. Dieses erstreckt sich vom Hof bis zu den Tuchlauben. Im November 2012 eröffneten dort die ersten Shops von Nobelmarken, darunter Giorgio Armani und Louis Vuitton. In den oberen Stockwerken entstehen Nobelwohnungen. In dem Komplex befindet sich auch das Penthouse, in dem einst Helmut Elsner wohnte. Die Ex-Länderbank-Zentrale am Hof wird derzeit zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut. Benko erwarb zudem das Immobilienpaket der Bank Austria mit Häusern wie Meinl am Graben, das Bank Austria Kunstforum oder die Getreidegasse 1 in Salzburg.

Hohe Renditen erfreuen Großinvestoren wie den Hälfte-Eigentümer, den griechischen Reeder George Economou.

Planungssicherheit

Betreiber des KaDeWe bleibt Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Alle Objekte, darunter auch die Filiale am Berliner Kurfürstendamm und jene beim Münchener Hauptbahnhof, sind langfristig an die Kaufhauskette Karstadt vermietet. Die langfristigen Mietverträge waren wohl ausschlaggebend für Benkos Engagement. Denn damit ist Planungssicherheit verbunden.

Signa ist kein typischer Immobilienentwickler, der die Objekte nach einigen Jahren wieder mit Gewinn abstößt. Kaufen und behalten dürfte auch in diesem Fall die Strategie sein.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Die lmmobilien besitzt er schon, jetzt will René Benko auch die darin liegenden Geschäfte betreiben: Die Signa-Holding gibt im September 2013 bekannt, dass sie 75,1 Prozent des operativen Geschäfts der Karstadt Premium-Group und 75,1 Prozent der Karstadt-Sports-Geschäfts übernehmen wird.

Mit der Übernahme der wertvollsten Unternehmensteile der Warenhauskette Karstadt gehört Signa zu den führenden Unternehmen für innerstädtischen Einzelhandel in Deutschland. Dazu zählen neben KaDeWe in Berlin zwei weitere Luxuswarenhäuser: Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München.

Die 300 Millionen Euro, die Signa für die Übernahme des operativen Geschäfts bezahlt hat, werden zu 100 Prozent in die Kette investiert, um die Standorte zu modernisieren und für die Zukunft fit zu machen.